Tauchen und Schnorcheln im Naturreservat Berlengas

Der Atlantik vor der zentralportugiesischen Küste macht keine halben Sachen. Wenn du hier ins Wasser springst, schlägt dir zunächst eisige Kälte ins Gesicht, gefolgt von der Erkenntnis, dass du über riesige roséfarbene Granitfelsen schwebst, die in einen elektrisch blauen Abgrund stürzen. Wenn du eine Reise mit dem Fokus auf Berlengas-Tauchen planst, solltest du wissen: Hier herrscht raues, gemäßigtes Atlantik-Tauchen, geprägt von nährstoffreichen Strömungen und nicht von gepflegten Korallenriffen.

Berlenga Grande und die umliegenden schroffen Inselchen liegen etwa sechs Seemeilen vor der Küste von Peniche. Seit 2011 als UNESCO-Biosphärenreservat ausgewiesen, dient dieses schmale Meeresgebiet als Schutzgebiet, in dessen Kernzonen kommerzieller Fischfang streng verboten ist. Das Ergebnis ist ein Unterwasserparadies: Schwärme von Meerbrassen bedecken die Felswände, Kraken lugen aus jedem Granitspalt, und jahrhundertealte Schiffswracks liegen still auf sandigem Grund. Egal, ob du mit Doppel-Tanks tief in Wracks eindringst oder nur Maske und Schnorchel für einen entspannten Nachmittag im Hafenbecken packst – dieser Guide verrät dir alles, was du vor dem Sprung ins Wasser wissen musst.

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Wasserbedingungen und Meeresklima im Schutzgebiet

Niemand kommt nach Berlenga wegen des Badewassertemperaturen. Selbst im August, wenn Lissabon bei 36°C glüht, steigt die Oberflächentemperatur hier selten über 17°C. In Tiefen unter 15 Metern durchbrichst du wahrscheinlich eine deutliche Thermokline, wo das Thermometer auf 14°C oder sogar 13°C fällt. Ein 7-mm-Neoprenanzug mit Kapuze ist das absolute Minimum für Komfort, obwohl viele lokale Taucher ganzjährig mit Semi-Dry-Anzügen oder Trockentauchanzügen unterwegs sind. Wer schnell friert, sollte sich doppelt in Neopren hüllen.

Die Sichtverhältnisse sind berüchtigt unberechenbar. An magischen Tagen Ende September kannst du durch 20 Meter kristallklares Wasser blicken und Seesterne auf überfluteten Felsvorsprüngen zählen. Zwei Tage später kann eine hohe Dünung Plankton aufwirbeln und die Sicht auf fünf Meter reduzieren. Im Frühling bringen dichte grüne Algenblüten zwar schlechtere Sicht, aber dafür ein explosionsartiges Auftreten von Futterfischen. Der Herbst bietet meist die stabilsten Bedingungen mit wärmeren Oberflächenschichten und ruhigeren Meeren zwischen den Atlantiktiefs.

Gezeiten und Strömungen bestimmen jeden Tauchgang. Der Kanal zwischen den Inseln und dem Festland kanalisiert die ozeanische Kraft und erzeugt Driftbedingungen, die unvorbereitete Taucher überraschen können. Die meisten Bootsskipper aus Peniche prüfen vor der Anfahrt die Gezeitenströmung und wählen bei aufkommendem Nordwind – der berühmten Nortada, die nachmittags aufkommt – geschützte Buchten an der Süd- oder Ostflanke der Inseln.

Hinweis: An den Landzungen können Strömungen während des Gezeitenwechsels schnell umschlagen. Führe auf jedem Tauchgang immer eine Oberflächenmarkierungsboje (SMB) und eine Pfeife mit, selbst wenn du einem erfahrenen Guide folgst.

Beste Tauch- und Wrackstellen in Berlengas

Die Unterwasserlandschaft um das Archipel spiegelt die wilden Klippen über Wasser wider. Überflutete Bögen, labyrinthische Durchschwimmungen, Abhänge und sandige Kanäle verleihen jedem Tauchspot seinen eigenen Charakter. Da die Inseln jahrhundertelang ein Hindernis auf stark frequentierten Schifffahrtsrouten darstellten, ist der Meeresboden auch ein Unterwasserfriedhof für havarierte Schiffe.

Das Wrack der Andre S., lokal auch als „Vapor Velho“ bekannt, ist zweifellos das berühmteste Tauchziel im Reservat. Der Dampfer, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts sank, liegt zwischen 25 und 33 Metern Tiefe zerbrochen auf einem felsigen Untergrund. Riesige Kessel ruhen zwischen verdrehten Metalltrümmern, die mittlerweile vollständig mit gelben Anemonen, Schwämmen und Gorgonien überzogen sind. Große Meeraale stecken ihre dicken Köpfe aus Rohrleitungen, während Schwärme von Brandbrassen und Seebarschen darüberziehen. Für dieses Wrack benötigst du eine Advanced-Open-Water-Zertifizierung, sowohl wegen der Tiefe als auch wegen gelegentlicher starker Strömungen, die durch das Trümmerfeld fegen.

Was die marine Biomasse angeht, ist Ilha Velha an der geschützten Seite der Hauptinsel kaum zu übertreffen. Die Stelle fällt sanft von 8 Metern auf etwa 22 Meter über massive Granitplatten ab. Große Spinnenkrebse wandern über die Felswände, Sepien schweben über sandigen Flächen, und wenn du mit einer Tauchlampe in dunkle Spalten leuchtest, wirst du fast sicher leuchtend rote Hummer mit ihren langen weißen Fühlern entdecken. Es ist ein einfacher, entspannter Tauchgang, der sich perfekt für einen zweiten Tank oder weniger erfahrene Taucher eignet, die zum ersten Mal Berlengas-Tauchen ausprobieren möchten.

Furado dos Frades bietet eine völlig andere Atmosphäre: Hier dominiert eine tiefe Schlucht, die sich durch Granitwände schneidet. Licht fällt durch Risse in der Decke und erzeugt dramatische Türkisstrahlen über dem dunklen Grund. Im Spätsommer sind hier häufig Drückerfische anzutreffen, die aggressiv ihre Reviere patrouillieren, und du könntest auf einen halb im Kies vergrabenen Torpedostachelrochen stoßen.

Tauchspot Tiefenbereich Erfahrungslevel Highlights
Andre S. (Wrack) 25m - 33m Fortgeschritten Dampferkessel, Meeraale, Gorgonien
Ilha Velha 8m - 22m Alle Levels Spinnenkrebse, Kraken, Hummerhöhlen
Furado dos Frades 12m - 28m Mittel Granitschlucht, Lichtstrahlen, Drückerfische
Ponta da Quebrada 18m - 38m Fortgeschritten Steilwand, große Pelagier, Meeresströmungen
Cova do Sono 6m - 16m Anfänger / Open Water Flache Kinderstube, Lippfische, kleine Durchschwimmungen

Weiter draußen stürzt Ponta da Quebrada in tiefere Gewässer ab. Hier solltest du den Blick eher auf das Blaue als auf die Felsen richten. Von August bis Oktober ziehen hier gelegentlich Mondfische (Mola mola) vorbei, um von ansässigen Lippfischen gereinigt zu werden. Einen zwei Meter großen Knorpelfisch, der lautlos neben dir im Atlantik schwebt, vergisst du so schnell nicht.

Tauchen und Schnorcheln im Naturreservat Berlengas

Schnorcheln in Berlengas: Top-Spots und klare Buchten

Du brauchst keine 30 Kilogramm Tauchausrüstung, um die Unterwasserwelt hier zu genießen. In vielerlei Hinsicht ist Schnorcheln in Berlengas eine der lohnendsten Tagesausflugsaktivitäten in Zentralportugal – vorausgesetzt, du bringst den richtigen Kälteschutz mit. Wenn du versuchst, eine Stunde lang in Badehose zu schnorcheln, werden dir innerhalb von zehn Minuten die Zähne klappern. Miete dir vor der Abfahrt in Peniche einen 3-mm- oder 5-mm-Kurzarm-Neoprenanzug, wenn du dich wirklich wohlfühlen willst.

Der Hauptstrand Praia do Carreiro do Mosteiro ist der natürliche Ausgangspunkt. Eingebettet in eine dramatische, von Klippen gesäumte Bucht direkt unter den Hauptwanderwegen, wirkt dieser Strand wie eine Postkarte. Das Wasser in der Bucht ist intensiv grün und meist vor den stärksten Meeresdünen geschützt. Wenn du von goldenem Sand aus ins Wasser watest, wirst du von neugierigen Brandbrassen umringt, die dich fast auf Armlänge begleiten.

Tipp: Schwimme entlang der nördlichen Felswand der Carreiro-do-Mosteiro-Bucht in Richtung des äußeren Höhleneingangs. Die Felswände sind mit farbenfrohen Seesternen und Seeigeln bedeckt, die sich bei frühem Morgenlicht am besten im flachen Wasser entdecken lassen.

Ein weiterer fantastischer Schnorchelspot ist der alte Fischerhafen und die Betonpier, an der die Versorgungsschiffe anlegen. Die Pfähle und versunkenen Mauern wirken wie ein künstliches Riff, das mit Muscheln und Seepocken überzogen ist und juvenile Lippfische, Schleimfische sowie kleine Sardellenschwärme anzieht. Achte jedoch auf ankommende Boote, besonders in den Stoßzeiten am Nachmittag, wenn Tagesausflügler ankommen.

Hier ein paar praktische Tipps für deine Zeit an der Oberfläche:

Das Schwimmen in die Höhlen mit der Maske ist faszinierend, aber du musst die Brandung respektieren. Wellen, die draußen harmlos wirken, können sich in engen Felsspalten komprimieren und dich plötzlich gegen scharfkantige, mit Seepocken besetzte Decken drücken. Wenn das Meer nicht spiegelglatt ist, genieße die Höhlenöffnungen lieber aus sicherer Entfernung.

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Tauchbasen, Charterboote und Logistik ab Peniche

Auf Berlenga Grande gibt es keine durchgehend geöffnete Tauchbasis mit Kompressor, bei der du einfach vorbeikommen und Tanks mieten könntest. Es gibt zwar gelegentlich saisonale Angebote, aber fast das gesamte Tauchen in Berlengas wird direkt vom Hafen Peniche auf dem Festland aus organisiert. Du packst deine Ausrüstung in der Tauchbasis in Peniche, lädst sie auf ein hochmotorisiertes Festrumpfschlauchboot (RIB) und rauschst über den offenen Atlantik.

Die Bootsfahrt dauert etwa 30 bis 45 Minuten, je nach Seegang. Diese Überfahrt über den offenen Atlantik kann rau sein. Wenn du anfällig für Seekrankheit bist, nimm eine halbe Stunde vor dem Boarding Medikamente ein, denn das Zusammenbauen der Tauchausrüstung auf einem schaukelnden RIB bei den Abgasen des Zweitaktmotors ist ein klassischer Auslöser für Übelkeit.

Die meisten Tauchbasen bieten Zweitauchgänge am Vormittag an. Ihr fahrt gegen 8:30 Uhr los, macht den ersten Tieftauchgang, verbringt eine einstündige Oberflächenpause auf dem Boot oder am Steg der Insel, taucht ein zweites Mal in flacherem Wasser und seid gegen frühen Nachmittag wieder in Peniche. Ein Standard-Paket für zwei Tauchgänge mit Boot kostet in der Regel zwischen 75 und 95 Euro, ohne Ausrüstungsverleih. Die Komplettausrüstung schlägt mit etwa 25 bis 35 Euro zusätzlich zu Buche.

Bei der Auswahl eines Anbieters in Peniche solltest du auf kleine Gruppengrößen und geschützte Liegeplätze im Hafen achten. Einige Dinge, die du unbedingt prüfen solltest:

Wenn Nicht-Taucher mit dir reisen, können sie einen regulären Platz auf der Fähre von Peniche nach Berlenga Grande buchen, die Klippen erwandern, am Strand entspannen und dich am Inselsteg treffen, während du deine Oberflächenpause machst.

Tauchen und Schnorcheln im Naturreservat Berlengas

Genehmigungen, Vorschriften und Reiseplanung

Da das Archipel ein geschütztes Naturreservat ist, unterliegt der menschliche Besuch strengen Kontrollen, um ökologische Schäden zu minimieren. Die portugiesische Regierung begrenzt die Anzahl der Besucher auf der Hauptinsel zu jedem Zeitpunkt. Wenn du unabhängig mit der Fähre zum Schnorcheln anreist, musst du online vorab ein Berlengas-Pass-Eintrittsformular beantragen. Das Formular kostet nur wenige Euro und generiert einen individuellen QR-Code, der von Beamten gelegentlich am Hafen in Peniche oder am Inselsteg überprüft wird.

Wenn du mit einer lizenzierten Tauchschule aus Peniche unterwegs bist, übernimmt die Tauchbasis in der Regel die Anmeldung für das Schutzgebiet im Rahmen der Buchung, da deine Hauptaktivität offshore auf einem Tauchboot stattfindet. Trotzdem ist es ratsam, vorab zu bestätigen, ob sie für die Umweltmeldungen deine Pass- oder Personalausweisdaten benötigen.

Speerfischen ist im gesamten Meeresgebiet streng verboten. Das Mitnehmen von Gegenständen vom Meeresboden – sei es ein getrockneter Seefächer, eine leere Seeigelschale oder ein Stück Wrackmetall – wird mit hohen Umweltstrafen von der Küstenwache geahndet, die das Reservat regelmäßig mit getarnten Interceptor-Booten patrouilliert. Behandle den Park wie ein Museum, in dem du mit den Augen schaust und mit Fotos wieder gehst.

Die Tauchsaison beginnt im Mai und endet Anfang November. Die Hauptmonate sind Juli bis September, wenn die Wasserbedingungen am ruhigsten sind und maritime Betriebe täglich fahren. Außerhalb dieses Zeitraums machen Winterstürme im Atlantik die Überfahrt gefährlich, und die Tauchbasen stellen ihre Boote bis zum Frühling ein.

Häufig gestellte Fragen zum Tauchen in Berlengas

Wie sind die typischen Wassertemperaturen beim Tauchen in Berlengas?

Die Wassertemperaturen liegen je nach Tiefe und Monat zwischen 13°C und 18°C. Von Juli bis Oktober sind die Oberflächentemperaturen mit etwa 16°C bis 18°C am höchsten, aber tiefe Spots unter 20 Metern liegen ganzjährig bei konstanten 14°C. Ein 7-mm-Neoprenanzug mit Kapuze oder ein Semi-Dry-Anzug wird dringend empfohlen.

Können Anfänger in Berlengas tauchen?

Ja, aber die Spotauswahl ist entscheidend. Geschützte Buchten wie Cova do Sono und Ilha Velha bieten ruhige Gewässer zwischen 8 und 14 Metern mit minimaler Strömung und eignen sich perfekt für Open-Water-Taucher. Tiefere Spots wie das Andre-S.-Wrack und Ponta da Quebrada erfordern jedoch eine Advanced-Open-Water-Zertifizierung und Erfahrung mit Meeresströmungen.

Ist es besser, vom Strand aus zu schnorcheln oder eine Bootstour zu machen?

Schnorcheln direkt vom Strand an der Praia do Carreiro do Mosteiro ist einfach und malerisch, aber eine kleine Bootstour bringt dich zu überseeischen Bögen und klareren Buchten, die zu Fuß nicht erreichbar sind. Wenn du nur wenige Stunden Zeit hast, bietet die Strandbucht bereits reichlich Fischleben direkt vor der Haustür.

Welche Meerestiere kann ich erwarten?

Häufige Sichtungen sind große Kraken, Spinnenkrebse, Europäische Hummer, Meeraale, Schwärme von Seebarschen und Drückerfische. Im Spätsommer ziehen oft Mondfische (Mola mola) an äußeren Punkten vorbei, und Delfine werden regelmäßig während der Bootsfahrt von Peniche gesichtet.

Schnellübersicht

  • Wassertemperatur: 13°C - 18°C (7-mm-Neopren erforderlich)
  • Bootsfahrt: 35-45 Minuten ab Hafen Peniche
  • Beste Tauchzeit: Juli bis Oktober
  • Sicht: 6 bis 20 Meter, je nach Dünung
  • Genehmigung: Erforderlich für Festlandbesucher, die zu Fuß anlanden

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Das Fazit

Tauchen hier ist so weit entfernt von einem vorhersehbaren Karibik-Drift-Tauchgang wie nur möglich – und genau das macht es so besonders. Es erfordert etwas Widerstandsfähigkeit gegen das kalte Wasser, einen eisernen Magen für die raue Bootsfahrt über den Batel-Kanal und einen gesunden Respekt vor den Atlantikströmungen. Dafür belohnt dich das Schutzgebiet mit rohen, dramatischen Unterwasserlandschaften, die sich wahrhaft wild anfühlen. Zieh dir einen dicken Anzug an, reinige deine Maske und tauche hinab ins Blaue – du wirst schnell verstehen, warum portugiesische Taucher dieses von Granit gezeichnete Fleckchen Erde als ihre Krone betrachten.

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